Aufhören oder weitermachen? (1/2)

Seit dem letzten Beitrag ist deutlich mehr als eine Woche vergangen. Das hat einen Grund, den wir Euch am Ende verraten. Ein für uns erfreuliches Ereignis, das jedoch unsere geballte Konzentration und Energie erforderte. Doch der Reihe nach.

HANS:

In meinem bisherigen Leben habe ich mehrere Male aufgegeben habe, als es schwierig wurde. Oder anders ausgedrückt: Ich gab auf, als mein Talent mich nicht mehr weiter brachte. Ich gab auf, als nur konsequente Anstrengung mich weitergebracht hätte.

Wenn ich es recht überlege, dann habe ich dieses Verhaltensmuster in verschiedenen Bereichen meines Lebens angewendet: im Beruf, bei Freizeitaktivitäten etc.

So gab ich eine berufliche Führungsposition, die ich relativ mühelos erreicht hatte, nach relativ kurzer Zeit wieder auf. Und zwar, weil mir eine personelle Konstellation nicht gepasst hatte. Die Ironie dabei: Diese personelle Konstellation gehörte nach kurzer Zeit bereits wieder der Vergangenheit an.

Vor etwa 20 Jahren wollten wir “Tango Argentino” lernen. Wir praktizierten dies einige Jahre lang. Doch als es schwierig wurde, hörten wir auf. Hörte ICH auf.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Versuch, Klavierspielen zu lernen. Ich wollte Chopin spielen, während meine Lehrerin mich durch eine endlose Zahl von Etüden schieben wollte.

In keiner diesen Situationen habe ich bewusst gesagt: “Ich gebe auf.”
Vielmehr habe ich stets viel Energie darauf verwendet, wortreich zu begründen, warum es in diesem Moment die absolut richtige Entscheidung, dies oder jenes zu beenden.

In der Führungsposition wollte ich mir “das nicht antun”. Beim argentinischen Tango waren es andere Aufgaben, die ich dann als wichtiger erklärt hatte. Beim Klavierspielen führte ich an, dass ich mein Ziel nicht innerhalb des gewünschten Zeitrahmens erreichen kann, und deshalb ist jetzt Schluss.

WIR 2:

Und nun machen wir es anders.

Mitte 2012 haben wir buchstäblich die ersten “Gehversuche” im “Gesellschaftstanz” (Standard & Latein) gemacht. Ein gewisses Gespür für Bewegung und Musik trägt uns eine Weile ohne größere Anstrengung.

Dann kommen aber doch die ersten unsichtbaren Barrieren, die unseren weiteren Fortschritt zu behindern drohen: die Haltung stimmt nicht, und wenn sie mal stimmt, ist sie nach wenigen Sekunden wieder in sich zusammengefallen. Und wenn der eine Partner keine ordentliche Haltung einnimmt, befindet sich die andere Partnerin auf verlorenem Posten.

Gemäß dem oben skizzierten Muster wäre das DIE Gelegenheit gewesen zu sagen: “Wir haben halt doch nicht das erforderliche Talent. Wir kommen da nicht weiter. Also lassen wir es.”

Und wir waren einige Male sehr nahe dran, “es zu lassen”. Zehn Mal bestimmt. Vielleicht auch zwanzig Mal. Warum haben wir “es nicht gelassen”?

Drei Gründe können wir ausmachen:

  • Erstens: Die Erkenntnis “Fleiß schlägt Talent”. Besondere Leistungen erfordern IMMER eine große Menge an “Transpiration”. Eine kleine Menge an “Inspiration” ist nützlich, aber nicht ausschlaggebend.
  • Zweitens: Die Weitsicht, uns vor der Entscheidung, “es zu lassen”, zu überlegen, was danach kommt. Wie gehen wir mit der dann entstandenen Situation um? Wie sieht die Perspektive aus? Wir fanden keine beruhigende Antwort auf diese Fragen.
  • Drittens: Das Alter. Wenn wir es in einem Bereich zu Kompetenz und “Mastery” bringen wollen, brauchen wir dazu Zeit. Je älter wir sind, desto geringer ist unsere “Restlaufzeit”. Immer wieder was Neues anzufangen verringert unsere Chance, in einem Bereich wirklich gut zu werden.

So haben wir im Januar zu unserem ersten Tanzsport-Turnier angemeldet. Getreu dem Motto: “Das kalte Wasser wird nicht wärmer, wenn wir später springen.”

Ein Tanzsport-Turnier ist ein ganz besonderes Ereignis. Ein schön gestaltetes Ambiente. Herausgeputzte Tanzpaare, die sich von ihrer besten Seite zeigen wollen. Doch ein Turnier ist auch ein Wettbewerb, bei dem man für alle sichtbar das Urteil der Wertungsrichter mit Haltung und einem Lächeln entgegennimmt, auch wenn es nicht zur eigenen Zufriedenheit ausfällt.

Am Ende allerhand hatten wir allerhand Grund zur Freude. Platz 2 im ersten Turnier – das macht Lust auf mehr. Fotos gibt es hier.

So viel für heute. Nächste Woche geht es weiter.

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