Krise als Chance

Krise als Chance. Ein geflügeltes Wort. Geht sehr leicht über die Lippen. Aber nur, solange die Krise weit weg ist und ausschließlich andere betrifft. Doch wem das Wasser bis zum Halse steht, in dessen Ohren klingt dieses Wort wie blanker Hohn.

Das Besondere an dieser Krise ist nun, dass wir alle davon betroffen sind. Niemand ist davon ausgenommen. Natürlich ist das Ausmaß der Betroffenheit sehr unterschiedlich. Während die einen „nur“ auf soziale Kontakte verzichten müssen, sind andere zusätzlich von wirtschaftlichen Existenzängsten geplagt oder von der Krankheit direkt betroffen – oder im allerschlimmsten Fall alles zusammen.

Und doch lohnt der Blick auf die Frage, was wir in dieser Krise lernen können, was auch nach der Krise noch von Bedeutung sein wird.

Ein funktionierender Staat

Wir sehen plötzlich, wie wichtig ein funktionierender Staat ist – auf allen Ebenen: im Bund, in den Ländern, in den Kreisen und Gemeinden. Bei aller berechtigten Kritik im Detail: Schätzen wir uns glücklich, dass wir in einem funktionierenden Staatswesen leben.

Und wir erleben unter den so viel gescholtenen Politikerinnen und Politikern tatsächlich auch solche, die fähig und willens sind, Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese unpopulär sind; die versuchen, diese Entscheidungen zu erklären und zu ihnen stehen – auch bei Kritik, die wichtig ist und ohnehin nie ausbleibt.

Und wenn der eine oder die andere dabei der Versuchung erliegt, sich persönlich zu profilieren – sei’s drum. Wenn eine Person in einem politischen Amt einen ordentlichen Job macht, dann darf diese Person ihre Leistung auch darstellen.

Zusammenhalt statt Spaltung

Wir sehen auch, wie wichtig Einzelpersonen und Gruppen sind, die den Zusammenhalt und das gute Zusammenleben fördern und sich dafür einsetzen. Und wir erleben gleichzeitig, wie all jene, die unsere Gesellschaft spalten wollen, indem sie Wut und Hass auf “das System” und auf Minderheiten propagieren, an Aufmerksamkeit einbüßen. Ihre Propaganda ist weniger gefragt denn je und verzichtbar. Wenn es ernst wird, zeigt sich das Destruktive in den vermeintlich einfachen Lösungen der Populisten. Kann also weg.

Weniger kann mehr sein

Man traut es sich ja kaum auszusprechen: Diese Zeit hat auch gute Seiten. Kaum Termine. Zeit für “altmodische” Dinge wie Spazierengehen, Lesen und Telefonieren. Wie bei jeder abrupten Veränderung braucht es auch hier eine Phase der Gewöhnung. Doch dann entdecken wir doch nach und nach, dass diese Phase – neben vielen schmerzlichen Seiten –  auch Positives zu bieten hat: Eine spürbare Entschleunigung unseres Lebens. Eine Art „Hektik-Fasten“.

Herausforderungen bleiben

Spätestens, wenn “Corona” vorbei ist, werden wir erkennen, dass andere Herausforderungen von gewaltigem Ausmaß immer noch da sind, allen voran der Klimawandel. Der März 2020 war der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mitte April verzeichnen wir in unserer Stadt 27 Grad. Das schöne Wetter, das zu Spaziergängen und Fahrradausflügen einlädt, geht einher mit einer enormen Trockenheit. In Teilen von Baden-Württemberg wurde die Waldbrandgefahr bereits als „hoch“ eingestuft.

Die Welt nach und mit Corona

Was also nehmen wir mit in die Zeit nach Corona? Genauer: die Zeit mit Corona. Denn das Virus wird wohl bleiben. Die Angst vor Erkrankung wird bleiben. Die Angst vor neuen Viren wird hinzukommen. Und doch soll nicht die Angst das bestimmende Element in unserem Leben sein, ist sie doch bekanntlich ein sehr schlechter Ratgeber.

Da ist zunächst die hautnahe Erfahrung, dass wir alle Verantwortung tragen für das Gemeinwesen, für das Gemeinwohl. Der Beitrag eines jeden Einzelnen zählt und ist bedeutsam. Aktuell wird das besonders deutlich. Das gilt jedoch zu jeder Zeit.

Dicht gefolgt von der Erkenntnis, dass wir ein funktionierendes Gemeinwesen haben mit handelnden Personen, die überwiegend Verantwortung übernehmen und sich nicht wegducken.

Und schließlich bekommen wir gerade die vielleicht einmalige Gelegenheit, unsere Lebensweise mit ihren Auswirkungen auf unsere Umwelt und unser Klima zu überdenken. Ein „Weiter so wie vorher“ kann nicht das Ziel und wird nicht die Lösung sein.

Die Kreativität, die wir in diesen Tagen von vielen Seiten erleben, macht Hoffnung. Mit dieser Kreativität kann es gelingen, die kommenden Herausforderungen zu meistern.

Wie geht Ihr mit der Krise um? Schreibt gerne einen Kommentar hier oder auf Instagram.

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